Strömungsmechanik
Universität Stuttgart, Proseminar WS 05/06
Strömungsmechanik in der Mathematischen Modellierung
Proseminar im WS 2005/06
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Strömung um einen Zylinder
Abstract:
In dieser Seminararbeit wird das Konzept der mathematischen Modellierung
in der Strömungsmechanik vorgestellt.
Zusätzlich wird die Implementierung eines MATLAB-Programms erläutert,
mit dessen Hilfe die resultierenden Potentialströmungen um einen
beliebigen Körper dargestellt werden können.
Die Strömungsmechanik ist ist ein Teilgebiet der Technischen Mechanik, die wiederum ein Teilgebiet der angewandten Physik ist.
Die Mechanik ist die Wissenschaft, die sich mit Kräften sowie mit Wirkungen von Kräften auf ruhende oder bewegte Körper und Stoffe aller Art befasst.
Die Fluidmechanik hat sich im letzten Jahrhundert zu einer selbstständigen Wissenschaft entwickelt. Sie erforscht die Gesetzmäßigkeiten der Bewegungen und des Kräftgleichgewichts sowohl von ruhenden als auch
von bewegten Fluiden. Viele der Zusammenhänge sind bis heute noch nicht oder nur unvollständig geklärt.
Durch Versuchsergebnisse hat man daher bisher die Lücken zu füllen versucht.
Unter einem Fluid versteht man eine Flüssigkeit, ein Gas oder ein Dampf, also ein nicht formbeständiges Kontinuum,
auf welches die Gesetze der Fluidmechanik anwendbar sind.
Zu unterscheidene sind:
- inkompressible Fluide, die massebeständig und annähernd volumenbeständig sind (Flüssigkeiten)
- kompressible Fluide, die massebeständig aber nicht volumenbeständig sind (Gase, Dämpfe)
Die Fluidmechanik verzweigte sich in zwei Richtungen, die jedoch weiterhin nicht völlig unabhängig
voneinander weiterentwickelt wurden.
Die erste Richtung war die Theoretische Fluidmechanik und die zweite Richtung die Technische
Fluidmechanik. In der Theoretischen Fluidmechanik wurden alle Fluidmechanischen Phänomene möglichst
exakt mathematisch dargestellt. Dabei wurde keine Rücksicht auf die Praktikabilität und die Anwendung
genommen.
In der Technischen Fluidmechanik wurde die mathematische Darstellung an der Anwendung ausgerichtet und
gründet meist aus experimentellen Ergebnissen.
Wir befassen uns in diesem Aufsatz mit der Theoretischen Fluidmechanik.
Bevor wir uns mit der Berechnung der Bewegungsvorgänge beschäftigen, wollen wir
erst mal einige Begriffe zu Strömungsvorgängen klären und die
Strömungsdarstellung beschreiben. In Kapitel 2.1 werden dazu die Strömungarten
und -formen und die Fluidarten vorgestellt. Dann in Kapitel 2.2 wird die
Darstellung und Deutung von Strömungesvorgängen genauer erläutert.
Strömungsgruppen:
- eindimensionale Linienströmung
- zweidimensionale Flächenströmung
- dreidimensionale Raumströmung
Strömungsarten:
- instationäre Strömung (orts- und zeitabhängig)
- stationäre Strömung (ortsabhängig)
- gleichförmige Strömung (v(x)=konstant)
- ungleichförmige Strömung (v(x)=unkonstant)
Strömungsformen:
- Laminare Strömung (Schichtenströmung)
- Turbulente Strömung (Wirbelströmung)
Strömungsklassen:
- Potentialströmung (wirbelfrei und damit reibungsfrei)
- Wirbelströmung (reibungsbehaftet)
Fluidmodelle:
- Ideales Fluid:
(reibungsfrei)
- Reales Fluid:
(reibungsbehaftet)
Fluidarten
- Inkompressible Fluide (Flüssigkeiten, Temperatur ist vernachlässigbar)
- Kompressible Fluide (Gase, Dämpfe, Temperatur ist zu berücksichtigen)
Die Bahnlinie oder Strombahn ist der Weg
, den ein Fluidteilchen mit der Geschwindigkeit
in der
Zeit
zurücklegt.
Strombahnen können durch Zugabe von Schwebeteilchen oder Farbstoff in das strömende Medium sichtbar
gemacht und durch photografische Langzeitaufnahmen festgehalten werden.
Die Streichlinie ist die Verbindungslinie all der Fluidteilchen, die den betreffen den Ort zu verschiedenen Zeiten
passierten. Eine Stromlinie ist die Tangentenkurve an zusammenhängenden Geschwindigkeitsvektoren.

Stromlinien
Erkärungen zu Stromlinienbilder:
- Stromlinienverdichtung bedeutet ine Beschleunigung der Strömung
- Stromlinienverdünnung bedeutet einen Abnahme der Strömungsgeschwindigkeit
- Stromlinien können nicht genickt sein und sich nicht schneiden, da an einem Punkt nicht zugleich
zwei verschiedene Fluidgeschwindigkeiten vorliegen können
- Bei stationären Strömungen fallen Strombahnen, Streichlinien und Stromlinien zusammen.
Dabei sind die Isotachen die Kurven gleicher Geschwindigkeit, d.h. die Verbindungslinien aller Punkte mit
gleicher Fluidgeschwindigkeit. Der Hodographist die Kurve, die die Endpunkte der von einem frei
gewählten Bezugspunkt aus aufgetragenen Geschwindigkeitsvektoren einer Strömung verbindet.
Ein Bündel von Stromlinien, die eine ortsfeste, geschlossene Raumkurve berühren, bildet eine
Stromröhre. Als Strömungsgeschwindigkeit wird dabei die mittlere Geschwindigkeit über den Querschnitt
der Stromröhre bezeichnet.

Stromröhre
Eine Stromröhre mit infinitesimalen Querschnitt
wird als Stromfaden bezeichnet. In einem Stromfaden
sind Geschwindigkeit, Druck, Dichte und Temperatur über den Stromfadenquerschnitt jeweils konstant.
Außerdem treten keinen Geschwindigkeitskomponenten quer zur Stromfadenachse auf. Das Fluid bewegt sich
nur in Strömungsrichtung. "Uber die Mantelfl"che findet keine Massenfuß statt, nur über den Ein- und
Austrittsquerschnitt.

Bewegung im Stromfaden
Man verwendet die Stromfadentheorie, da sich für die Strömungsgleichungen relativ einfache Beziehungen
entgeben. Die Strömung erfolgt eindimensional entlang dem Stromfaden. Die Theorie wird häufig
angewendet; sie liefert aber oft unbefriedigende Ergebnisse.
Trifft eine Stromlinie auf einen Körper, so entsteht ein Staupunkt. Das Strömende Fluid kommt an dieser
Stelle zur Ruhe. Die Geschwindigkeit wird
, wenn die Stromlinie senkrecht auf den Körper trifft, die
sogenannte Staupunktstromlinie.

Körperströmung
Das Bild zeigt das Stromlinienbild eines stationär umströmten, rotationssymmetrischen Körpers in reibungsfreien Fluid. Eine Stromlinie trifft voren senkrecht auf den Körper, teilt sich, folgt den Konturen des Körpers,vereinigt sich hinter dem Körper wieder und geht senkrecht von der Körperoberfläche ab.
Ein umströmter Körper wird von Stromlinien umhüllt. Diese Stromlinien bilden zusammen eine Stromfläche.
Wirbel setzten sich aus der Rotation einzelner Fluidteilchen bzw Fluidbereiche in einem Strömungsfeld zusammen.
Es gibt zwei Methoden zur analytischen Darstellung der Fluidbewegung:
- Lagrange Betrachtungsweise: beschreibt den Weg jedes Fluidteilchens bezüglich
des Koordinatensystems analytisch.
Diese Betrachtungsweise ist aber sehr kompliziert und ein großer mathematischer
Aufwand
- Eulersche Betrachtungsweise: beschreibt die dynamischen Größen orts- und
zeitabhängig.
Für vorgegeben Punkte werden Geschwindigkeit v, Beschleunigung a, Dichte
, Temperatur T analytisch dargestellt und in Beziehung gesetzt.
Eindimensionale Strömungen
Dabei wird nur die Bewegung in Strömungsrichtung beachtet.
Es gibt keine Querbewegung.
Nach der Eulerschen Betrachtungsweise interressiert uns nur der Bewegungszustand des Fluids an jedem Punkt des Stromfadens (augewählte Bezugspunkte).
Räumliche und zeitliche Veränderungen der wesentlichen physikalischen Größen können als kontinuierlich
angenommen werden und genügen häufig Erhaltungsgesetzen, die unter hinreichender
Glattheitsvoraussetzungen zu partiellen Differntialgleichungen äquivalent sind.
Sei
eine Teilgebiet des n-dimensionalen reellen Raumes und x die Ortsvariable im Teilgebiet
. Weiter sei
die Zeit.
Sei
die Dichte und
die Geschwindigkeit einer zu betrachtenden Erhaltungsgröße, dann
gibt
den Fluß dieser Größe an. Sei G ein belibiges glatt berandetes und beschränktes
Teilgebiet von
und
die äußere Normale im Punkt
, so ist
die Menge der Erhaltungsgröße, die das Gebiet
pro Zeiteinheit durch ein infinitesimales
Oberflächenelement
im Punkt
verläßt.
Aufgrund der Erhaltungseigenschaft muss der Abfluss durch den Rand
mit der zeitlichen
Abnahme der Erhaltungsgröße in
übereinstimmen.
Sind zusätzlich noch Quellen und Senken (Zu- und Abflüsse) zu berücksichtigen, muss die Formel mit
der Quellendichte
korregiert werden.
nach der Gauß-Ostrgradski-Umformung (
für Normalgebiete
und
) folgt:
Da
beliebig klein gewählt werden kann (d.h. bei hinreichender Galttheit), ist die Gleichung nur dann für alle Gebiete
erfüllt, wenn die beiden Integranden überall übereinstimmen.
Es muss also gelten:
Häng der Fluß
nur von
, aber nicht von der partiellen Ableitung von
ab, so spricht man von
einer hyperbolischen Differentialgleichung erster Ordnung.
Aufgrund der Erhaltungseigenschaft muss der Abfluss
durch den Rand
mit der zeitlichen
Abnahme der Massendicht
in
übereinstimmen.
Sind zusätzlich noch Quellen und Senken (Zu- und Abflüsse) zu berücksichtigen, muss die Formel mit
der Quellendichte
korregiert werden.
nach Gauß folgt:
Da
beliebig klein gewählt werden kann (d.h. bei hinreichender Glattheit), ist die Gleichung nur dann für alle Gebiete
erfüllt, wenn die beiden Integranden überall übereinstimmen.
Es muss also gelten:
Ohne Quellen und Senken ergibt sich dann:
Aufgrund der Erhaltungseigenschaft muss der Abfluss
durch den Rand
mit der zeitlichen
Abnahme der Impulsdicht
in
übereinstimmen.
Wirken zusätzlich noch Kräfte auf
, muss die Formel mit der Karftkomponente
korregiert werden. Da wir von einem idealen Fluid ausgehen (d.h. die
Strömung ist reibungsfrei), wirken der
Normalenvektor
und der Spannungsvektor der Kraft genau entgegngesetzt.
.
nach Gauß folgt:
Da
beliebig klein gewählt werden kann (d.h. bei hinreichender Galttheit), ist die Gleichung nur dann für alle Gebiete
erfüllt, wenn die beiden Integranden überall übereinstimmen.
Es muss also gelten:
Ohne zusätzliche Kräfte ergibt sich dann:
bzw.
Aufgrund der Erhaltungseigenschaft muss der Energieabfluss
durch den Rand
mit der zeitlichen
Abnahme der Energiedichte
in
übereinstimmen.
Wird zusätzlich noch Energie in
zugeführt, muss die Formel um die Leistung
(
) korregiert werden. Da wir von einem idealen Fluid ausgehen (d.h. die
Strömung ist reibungsfrei), wirken der
Normalenvektor
und der Spannungsvektor der Kraft genau entgegngesetzt.
.
nach Gauß folgt:
Da
beliebig klein gewählt werden kann (d.h. bei hinreichender Galttheit), ist die Gleichung nur dann für alle Gebiete
erfüllt, wenn die beiden Integranden überall übereinstimmen.
Es muss also gelten:
Ohne zusätzliche Kräfte bzw. Energie ergibt sich dann:
Somit erhält man die drei Euler-Gleichungen:
1. Massenerhaltung
2. Impulserhaltung
3. Energieerhaltung
Durch zusätzliche Annahmen an das Fluid können die drei Gleichungen noch
vereinfacht werden.
Die Cauchy-Riemann-Differentialgleichungen beschreiben ebene Potentialströmungen. Das sind ebenen inkompressiblen und stationären Strömung, bei der die Dichte konstant ist und die Wirbeldichte verschwindet.
Ausgehend von den Euler-Differentialgleichungen erhält man durch Vereinfachung und Einschränkung die Cauchy-Riemann-Differentalgleichungen.
Nimmt man an, dass das Fluid inkompressibel ist, d.h. die Dichte
und
.
Dann folgt aus der ersten Eulergleichung:
Geht man weiter von einer ebenen stationären Strömung aus, so ist
in den zwei Variablen
konstant. Daraus ergibt sich für die zweite Eulergleichung:
Durch Differentiation der ersten Gleichung nach
und der zweiten Gleichung nach
folgt:
Substraiert man die zweite Gleichung von der ersten Gleichung erhält man:
Der letzte Term fällt heraus und die Dichte kann herausgekürzt werden.
Somit ist die Wirbeldichte
konstant und .. ...
Der Spezialfall der ebenen inkompressiblen und stationären Strömung, bei der die Dichte konstant ist und die Wirbeldichte verschwindet, heißt Potentialströmung.
Es ist
und
in einem Gebiet
.
Unter diesen Voraussetzungen ist die Kontinuitätsgleichung erfüllt und aus der Identität
folgt, dass die Impulsgleichung mit dem Druck
eingehalten wird.
Die Energiegleichung wird mit der kinetischen Energie
Die Cauchy-Riemann-Differentialgleichungen sind somit die beiden Gleichungen:
und
Die allgemeine Kontinuitätsgleichung in inkompressiblen Fluiden lautet:
Oder in vektorieller schreibweise:
Für ebene, quellen- und senkenfreie Strömungen lautet die Kontinuitätsgleichung:
Für ideale, d.h. ebene,wirbelfreie, Strömungen läßt sich die Gleichung mit Hilfe des Geschwindigkeitspotentials
mit
und
umschreiben zu:
(Laplace-Form)
Die Kontinuitätsgleichung läßt sich aber auch durch eine weitere Funktion
, der Stromfunktion erfüllt, für die gilt:
und
Damit erhält man durch Einsetzten in die Kontinuitätsgleichung:
Für die Wirbelbewegung bzw. Winkelgeschwindigkeit:
ergibt sich durch Einsetzen der Stromfunktion:
Bei Wirbelfreiheit muß somit gelten:
Der Vergleich der Beziehungen des Geschwindigkeitpotentials
und
und der Strömungsfunktion
und
ergibt die Cauchy-Riemann-Differentialgleichungen:
und
Die Riemann-Cauchy-Differentialgleichungen, die ideale Strömungen beschreiben, werden in der komplexen Ebene durch das komplexe Potential:
erfüllt.
Die Potentialfunktion wird als Realteil und die Stromfunktion als Imaginärteil einer analytischen Funktion der Veränderlichen
aufgefaßt.
An folgende Programmierrichtlinien haben wir uns gehalten:
- Jede Zeile darf höchstens einen Matlab-Befehl enthalten.
- Eine Zeile darf höchstens 80 Zeichen lang sein. Zeilentrennungen mittels `...`.
- Es sind möglichst 'sprechende' Variablennamen (z.B. div statt d für Divergenz) zu verwenden.
- Der Code ist ausreichend zu kommentieren.
-
- 1
-
Hanke-Bourgeois, M.
Grundlagen der Numerischen Mathematik und des Wissenschaftlichen
Rechnens.
Teubner, 2002. (Kap. 65 und 67).
- 2
-
Gamelin, T. W.
Complex analysis.
Springer, 2001 (Kap. III.6 und XI.4).
- 3
-
Kümmel, W.
Technische Strömungsmechanik
Teubner, 2004.
- 4
-
Oertel, H.
Strömungsmechanik
Vieweg, 1999.
- 5
-
Sigloch, H.
Technische Fluidmechanik
VDI Verlag, 1991.
- 6
-
Spurk, J.H.
Strömungslehre
Springer, 1989.
Copyright MathLab.de(2006-01-22)